Embedded Analytics in SAP S/4HANA – Echtzeit-Reporting direkt im Prozess nutzen
In vielen Unternehmen ist Reporting zwar etabliert, jedoch häufig organisatorisch und technisch vom operativen System getrennt. Daten werden periodisch per Batch-Prozess oder über BW-Ladungen bereitgestellt. Gleichzeitig existieren unterschiedliche Zahlenstände in S/4HANA, BW und Excel, was regelmäßig zu Abstimmungsaufwand führt.
Im Arbeitsalltag greifen Fachbereiche deshalb oft zu manuellen Lösungen: Transaktionen werden geöffnet, Daten exportiert und in Excel weiterverarbeitet. Analysen werden komplexer, schwerer nachvollziehbar und basieren nicht selten auf veralteten Informationen.
Die Erwartungshaltung ist heute eine andere. Gefordert werden Echtzeit-Kennzahlen, flexible Drill-Down-Möglichkeiten bis auf Belegebene und Self-Service-Analysen – direkt im System, ohne Medienbruch. Genau hier setzt Embedded Analytics in SAP S/4HANA an.
Embedded Analytics – Analyse direkt auf Live-Daten
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Embedded Analytics bedeutet, dass Analysen direkt im operativen S/4HANA-System stattfinden – auf denselben Live-Daten, mit denen täglich gearbeitet wird. Es gibt keine separate Datenkopie und keinen zeitlichen Versatz durch vorgelagerte Ladeprozesse.
Technisch basiert das Konzept auf Core Data Services (CDS-Views), die als semantische Datenmodelle dienen. SAP stellt umfangreichen Standard-Content bereit, sodass Unternehmen schnell produktiv werden können. Gleichzeitig sind diese Modelle erweiterbar und können unternehmensspezifisch angepasst werden.
Ein weiterer zentraler Baustein ist die rollenbasierte Nutzung. Berechtigungen steuern, welche KPIs und Detaildaten ein Anwender sieht. Dadurch entsteht ein personalisiertes Reporting-Erlebnis direkt im SAP Fiori Launchpad.
Self-Service im Fiori Launchpad
Im Fiori Launchpad stehen analytische Abfragen über den sogenannten Abfragebrowser zur Verfügung. Dort werden sämtliche analytischen Queries des Systems angezeigt. Regelmäßig genutzte Auswertungen können als Favoriten gespeichert werden.
Filtereinstellungen lassen sich definieren und als persönliche Sichten sichern. Kennzahlen können ein- oder ausgeblendet, Merkmale hinzugefügt oder ausgetauscht werden. Auch Aggregationen wie Summenbildungen sind direkt möglich. Wird eine bestimmte Sicht regelmäßig benötigt, kann sie als Bookmark oder als eigene Kachel auf der Startseite abgelegt werden.
Für den Endanwender ist nicht erkennbar, ob eine Query als ABAP CDS View entwickelt oder als benutzerdefinierte analytische Abfrage erstellt wurde. Die Oberfläche bleibt konsistent. Diese Trennung zwischen technischer Umsetzung und fachlicher Nutzung ermöglicht echten Self-Service im Reporting.
KPI-Kacheln und Insight-to-Action
Neben dynamischen Ad-hoc-Auswertungen lassen sich KPI-Kacheln definieren, etwa zur Überwachung offener Kontakte, Neuanlagen mit Vertrag oder Qualitätskennzahlen. Diese KPIs können mit grafischen oder tabellarischen Berichten kombiniert werden und bilden ein rollenbasiertes Dashboard.
Ein besonders zentraler Mehrwert ist das Insight-to-Action-Prinzip. Aus einer Analyse heraus kann direkt in die passende Transaktion navigiert werden. Wird beispielsweise eine Anlage oder ein Vertrag identifiziert, lässt sich unmittelbar in „Anlage ändern“ oder „Vertrag ändern“ springen. Die entsprechende Objekt-ID wird automatisch übernommen.
Analyse und operative Tätigkeit greifen damit nahtlos ineinander. Der Wechsel zwischen Reporting und Transaktion entfällt, Entscheidungen können direkt umgesetzt werden.
Qualitätschecks und operative Transparenz
Embedded Analytics eignet sich besonders für kontinuierliche Qualitätsprüfungen im laufenden Betrieb. Stammdaten verändern sich ständig und enthalten häufig wiederkehrende Fehlerquellen. Mit geeigneten KPIs lassen sich Inkonsistenzen sichtbar machen – etwa überlappende Zeitscheiben oder unplausible Werte.
Da CDS-Modelle erweiterbar sind, können zusätzliche Prüfregeln oder neue Fehlerbilder flexibel ergänzt werden. So entsteht ein nachhaltiges Monitoring, das sowohl Projektteams als auch den operativen Betrieb unterstützt.
Auch kurzfristige Fragestellungen lassen sich in Echtzeit beantworten. Beispielsweise kann analysiert werden, wie viele Zähler eines bestimmten Typs aktuell verbaut sind. Filter- und Drill-Down-Funktionen ermöglichen eine detaillierte Selektion der relevanten Daten – direkt im System.
Integration mit Analysis for Office
Neben der Nutzung im Fiori Launchpad können Embedded-Analytics-Queries auch in Analysis for Office verwendet werden. In Excel lassen sich Variablen definieren, Filter anwenden und Navigationen durchführen – ähnlich wie bei klassischen BW-Queries. Der Unterschied besteht darin, dass die Daten direkt aus S/4HANA stammen und somit auf aktuellen Live-Daten basieren.
Unternehmen profitieren von der gewohnten Excel-Umgebung, ohne auf Echtzeitfähigkeit verzichten zu müssen. Operative und analytische Welt werden technisch enger verzahnt.
Mehrwert im Transformationskontext
Embedded Analytics entfaltet seinen Nutzen nicht nur im laufenden Betrieb, sondern bereits während Transformationsprojekten. Projektkennzahlen, Monitoring offener Klärfälle oder die Überwachung der Stammdatenqualität können direkt im System abgebildet werden.
Da die Einführung schrittweise erfolgen kann, lässt sich Embedded Analytics gut parallel zu S/4HANA-Projekten implementieren. Wiederverwendbare CDS-Views und konsistente Datenmodelle bilden die Grundlage für nachhaltige Reporting-Strukturen.
Fazit: Reporting wird Teil des Prozesses
Embedded Analytics in SAP S/4HANA verlagert Reporting vom separaten Tool zurück in den operativen Prozess. Analysen basieren auf Live-Daten, sind rollenbasiert nutzbar und ermöglichen die direkte Navigation in Transaktionen.
Durch die Kombination aus Echtzeitfähigkeit, Standard-Content, erweiterbaren Datenmodellen und dem Insight-to-Action-Prinzip entsteht ein integriertes Reporting-Framework, das Entscheidungsprozesse beschleunigt und Datenkonsistenz erhöht.
Reporting findet damit nicht mehr neben dem System statt – sondern im System selbst, genau dort, wo operative Entscheidungen getroffen werden.
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